WWF fordert Naturschutz-Check für Ökostrom-Förderungen

Natur- und Umweltschutzorganisation für mutige Reform: Von der Gießkanne zum Bestbieter-Prinzip mit klaren ökologischen Kriterien – Bundesregierung muss auch Energiesparen forcieren

Wien (OTS) – In einem Grundsatzpapier zum künftigen Energiegesetz
fordert der WWF Österreich einen verbindlichen Naturschutz-Check für
den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien. „Die notwendige und
sinnvolle Ökostrom-Offensive darf nicht auf Kosten unserer Natur
gehen. Daher muss in Zukunft ein kombinierter Klima- und
Naturverträglichkeits-Check über die Vergabe von Ökostrom-Förderungen
entscheiden. Mit einem ökologischen Bestbieter-Prinzip können die
wirksamsten und naturverträglichsten Projekte gezielt unterstützt
werden“, sagt Hanna Simons, Leiterin Natur- und Umweltschutz beim WWF
Österreich. Eine naturverträgliche Energiewende basiert auf zwei
Eckpfeilern: Erstens müssen die Ökostrom-Mittel unter Einhaltung
klarer Naturschutzkriterien eingesetzt werden. Zweitens muss der
Erneuerbaren-Ausbau auch von einem Energiesparprogramm begleitet
werden. „Die Ziele der Bundesregierung sind nur dann erreichbar, wenn
deutlich weniger Energie verbraucht wird. Ansonsten belasten wir
unsere bedrohte Natur, ohne beim Klimaschutz wirklich voranzukommen“,
betont Klimasprecherin Lisa Plattner.

Das geplante Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz muss die Ansprüche an
Klima- und Naturschutz besser als bisher miteinander verbinden. „Wir
brauchen mehr sauberen Strom mit weniger Naturverbrauch“, sagt
WWF-Gewässerschutz-Experte Gerhard Egger. Denn die bisherige
Strategie, unwirtschaftliche Vorhaben an die Marktreife
heranzuführen, hat zwar zu deutlich mehr Ökostrom geführt, aber
teilweise auch ineffiziente Vorhaben auf Kosten der Natur ermöglicht.
Nicht zuletzt aufgrund der starken Verbauung mit mehr als 5.200
Kraftwerken sind heute nur mehr 15 Prozent der Gewässer in einem sehr
guten Zustand. „Daher sollten in Zukunft nur jene Wasserkraftprojekte
gefördert werden, die den ökologischen Gewässerzustand nicht
verschlechtern, die keine Schutzgebiete beeinträchtigen und für den
Klimaschutz wirklich maßgeblich sind. Gerade Kleinstanlagen bringen
wenig für die Energiewende, haben aber trotzdem fatale Folgen für die
betroffenen Gewässer“, sagt der Flussexperte Egger. Insgesamt muss
die Energiewende vor allem über andere, deutlich stärker wachsende
Technologien wie die Photovoltaik laufen, da das naturverträgliche
zusätzliche Wasserkraftpotential, etwa aus der Modernisierung von
Anlagen, relativ gering ist.

Die WWF-Position basiert auf den EU-Leitlinien zur Förderung von
Erneuerbaren, die explizit auch auf die Einhaltung von
EU-Umweltschutzinstrumenten wie der Wasserrahmenrichtlinie Wert legen
und neben dem Ausbau der Energieproduktion insbesondere Einsparungen
als Handlungsoption anführen. Auch die ‚Mission2030“-Strategie der
Bundesregierung hält zum Ausbau der Energieinfrastruktur folgendes
fest: „Die angedachten Maßnahmen sollen umwelt- und naturverträglich
sein und der weiteren Bodenversiegelung sowie Beeinträchtigungen von
Kulturlandschaft und Lebensräumen Einhalt gebieten.“ Aus Sicht des
WWF Österreich muss dieser Anspruch am Papier jetzt mit Leben erfüllt
werden, um der Klimastrategie zu entsprechen.

Fossile Energien auf allen Ebenen ausbremsen

Im Zuge des kommenden Energiepakets, das mehrere Gesetze umfasst,
muss sich Umweltministerin Elisabeth Köstinger dafür einsetzen, dass
fossile Energien auf allen Ebenen ausgebremst werden. Auch
Finanzminister Hartwig Löger ist gefordert: „Umweltschädliche
Subventionen in Milliardenhöhe gehören rasch gestoppt. Das gesamte
Steuer- und Abgabensystem muss auf Klimaschutz und Energieeffizienz
optimiert werden, am besten im Zuge einer ambitionierten öko-sozialen
Steuerreform“, bekräftigt WWF-Vertreterin Hanna Simons.

WWF Österreich
Gerhard Auer
Pressesprecher
+43 676 83488 231
gerhard.auer@wwf.at

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