Alltagskompetenz im Fokus: Sozialversicherung stärkt Ergotherapie-Angebote

Hauptverband und Bundesverband der Ergotherapeuten streben Direktverrechnung mit den Kassen an.

Wien (OTS) – Vom morgendlichen Frühstücken bis zum abendlichen
Zähneputzen: Der Alltag bietet einen großen Spielraum für
unterschiedliche Tätigkeiten, die auf den ersten Blick
selbstverständlich erscheinen. Kommt es dann beispielsweise zu einer
Handverletzung, kann jegliche Handlung plötzlich ein Hindernis
darstellen. „Der Sozialversicherung ist es ein großes Anliegen, dass
Betroffene von Anfang an Ergotherapie als Sachleistung in Anspruch
nehmen können“, betonte Alexander Biach, Vorsitzender des
Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, anlässlich einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit dem

Ergotherapie hilft Menschen, die aufgrund einer Krankheit,
Verletzung oder Behinderung in ihrem täglichen Leben Schwierigkeiten
haben. Das breit gefächerte Leistungsangebot ist nicht ohne Grund in
der Krankenbehandlung der ärztlichen Hilfe gleichgestellt. Ziel der
Ergotherapie ist die größtmögliche Selbstständigkeit. Hauptverband
und Bundesverband verfolgen das gemeinsame Ziel, sich mit Jänner 2020
auf einen bundeseinheitlichen Vertrag mit freiberuflichen
Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten zu verständigen.

„Mit erstem September konnte jetzt dank Leistungsharmonisierung
auch für jene Bundesländer (Vorarlberg und Steiermark), die noch
keinen Gesamtvertrag mit den Ergotherapeuten haben, ein bundesweit
einheitlicher Kostenzuschuss sowie ein einheitliches
Bewilligungsvorgehen erreicht werden“, freute sich Biach über diesen
ersten Schritt.

Der Bewilligungsprozess wurde für alle Krankenversicherungsträger
wie folgt vereinheitlicht:

– für einen ärztlich verordneten Hausbesuch (pauschaler Zuschlag)
10,40 Euro

Die Höhe der Kostenzuschüsse für ergotherapeutische Leistungen,
die nach dem 31. August 2018 verordnet werden, beträgt einheitlich

– für eine ergotherapeutische Behandlungseinheit zu 30 Minuten 15
Euro

– für eine ergotherapeutische Behandlungseinheit zu 60 Minuten 30
Euro

– für einen ärztlich verordneten Hausbesuch (pauschaler Zuschlag)
10,40 Euro

„Der Bundesverband der Ergotherapeuten Österreichs begrüßt die vom
Hauptverband forcierte Stärkung der ergotherapeutischen Versorgung.
Wir sehen diese Vereinheitlichungen als ersten Schritt zum Ziel, dass
eine bundesweite Sachleistungsversorgung der Patientinnen und
Patienten mit Ergotherapie erfolgt“, betonte Marion Hackl,
Präsidentin der Ergotherapie Austria.

„Der soeben abgeschlossene Vertrag mit der Ergotherapie Austria
ist ein Meilenstein für Versicherte der Kärntner Gebietskrankenkasse,
die ab 1. Jänner 2019 im Rahmen der Sachleistungsversorgung
ergotherapeutische Leistungen in Anspruch nehmen können. Bei
VertragsergotherapeutInnen werden daher künftig die Kosten der
Versicherten durch die Kärntner Gebietskrankenkasse übernommen“, so
Elke Jenkner, Abteilungsleiterin für Vertragspartnerangelegenheiten
und künftige Bereichsdirektorin der Kärntner Gebietskrankenkasse.

Derzeit sind rund 3500 Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in
Österreich tätig. Rund ein Drittel ist in öffentlichen
Einrichtungen(wie z.B. Krankenanstalten, Reha-Zentren,
Unfallkrankenhäusern, Behinderteneinrichtungen, Pflegeheime)
angestellt, ein Drittel arbeitet freiberuflich in der eigenen Praxis
– und ein Drittel macht beides. Im Jahr 2017 hat die
Sozialversicherung für Leistungen durch Vertragsergotherapeuten 8,6
Millionen Euro und für Leistungen durch Wahlergotherapeuten 8,2
Millionen Euro aufgewendet. In den neuen Primärversorgungseinheiten,
von denen es bis Ende 2021 österreichweit 75 geben soll, sind
Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten mit ihrem zusätzlichen Wissen
im Team rund um den Patienten bereits vorgesehen.

Was es persönlich für jemanden bedeutet, von einem Tag auf den
anderen nicht mehr Essen schneiden, Schuhbänder binden oder einen
Reißverschluss zumachen zu können, davon erzählte Ex-Fußballprofi
Andreas Schicker. Vor knapp vier Jahren verlor der heutige
Chef-Scout beim SK Sturm Graz bei einem Böllerunfall die linke Hand.
„Während meiner Rehabilitation in Tobelbad habe ich täglich von 7.30
Uhr früh bis 16 Uhr daran gearbeitet. In der Ergotherapie ging es vor
allem um Feinmotorik und eine Strategie, die es mir ermöglichte,
meinen Alltag zu bewältigen. Als leidenschaftlicher Handwerker kann
ich heute wieder einen Nagel ins Holz schlagen. Und auch Autofahren
mit Automatik ist wieder möglich – und erlaubt.“

Der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
ist das organisatorische Dach über der solidarischen Kranken-,
Unfall-und Pensionsversicherung Österreichs. Die Sozialversicherung
garantiert unabhängig von Alter, Einkommen, sozialer Herkunft und
Bildung hochwertige Gesundheitsversorgung und eine sichere
Pensionsvorsorge. Aktuell sind rund 8,7 Millionen Menschen
(Versicherte und mitversicherte Angehörige) anspruchsberechtigt.

Ergotherapie Austria ist die berufspolitische
Interessensvertretung der Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten in
Österreich. Der Bundesverband ist ein gemeinnütziger Verein, der es
sich zur Aufgabe gestellt hat, die ergotherapeutische Versorgung der
österreichischen Bevölkerung sowie berufs-und bildungspolitische
Maßnahmen für seine Mitglieder sicherzustellen. Seit der Gründung im
Jahr 1969 hat sich Ergotherapie Austria als Partner im
Gesundheitswesen etabliert.

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