Überfällig / Christian Matz zu Preisen fürs Parken

Mainz (ots) – Samstagmittag, in der Frankfurter Innenstadt, nahe der Einkaufsmeile Zeil. Wer dort fünf, sechs Stunden sein Auto im Parkhaus abgestellt hat, der fragt sich spätestens bei der Ausfahrt, warum er eigentlich nicht mit Deutscher, S- oder U-Bahn angereist ist. Warum fragt er sich das? Weil er am Parkautomaten locker 30 bis 40 Euro bezahlt hat – nachdem er erstmal im normalen Innenstadt-Stau und dann nochmal vor dem überfüllten Parkhaus gewartet hat. Er hat so viel bezahlt, weil es in Parkhäusern möglich ist, die Tarife zu staffeln. Zeiten mit höherer (Parkplatz-)Nachfrage erlauben höhere Preise. Städte hingegen, in deren Straßen rund um die Uhr die Parkplätze knapp sind (tagsüber im Geschäftszentrum, nachts in den Wohngebieten) dürfen nicht so frei verfahren. Diese Vorschrift ist völlig veraltet. Der Vorstoß des Automobilverbandes für mehr Gestaltungsspielraum bei den Preisen ist deshalb überfällig. Auch wenn die Kopplung an das Einkommen zu weit geht, weil dies viel zu bürokratisch ist. Wir reden über intelligente digitale Verkehrsstrommessungen, bekommen aber nicht einmal die einfachsten Regelungsmechanismen auf die Reihe. 30 Euro für einen Jahres-Anwohnerparkausweis in einer dicht bewohnten Innenstadt mit ohnehin zu wenig Parkplätzen sind, seien wir ehrlich, ein Witz – so kommt niemand ins Grübeln, ob er vielleicht nicht doch auf ein eigenes Auto verzichten kann. Aber: Allein mit höheren Parkpreisen und -knöllchen, Abschreckung also, ist eine Verkehrswende natürlich nicht zu schaffen. Dafür braucht es auf der anderen Seite viel mehr Anreize, zuallererst ein noch besser ausgebautes ÖPNV-Netz.

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