Sieben Kinder in Idlib bei eisigem Wetter in Lagern gestorben – Save the Children befürchtet weitere Todesopfer

Berlin (ots) – Sieben Kinder – darunter ein erst sieben Monate altes Baby – sind an den eisigen Temperaturen und schrecklichen Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern der nordwestsyrischen Region Idlib gestorben. Dies konnte Save the Childrens Partner in Idlib, Hurras Network, bestätigen. Unter den Opfern sind Kinder, die in improvisierten Camps durch defekte Heizgeräte starben.

„Wir befürchten weitere Todesopfer“, sagt Sonia Khush, Länderdirektorin von Save the Children in Syrien. „In Idlib herrschen absolut unmenschliche Lebensbedingungen. Immer mehr Zivilisten suchen in eisiger Kälte an der Grenze zur Türkei Zuflucht vor den Kämpfen. Frauen und Kinder haben bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt kein Dach dem Kopf, keine warme Kleidung. Selbst wenn es ihnen gelingt, ein Zelt, eine Heizung und eine Matratze zu finden, riskieren sie, durch defekte Heizgeräte zu ersticken oder dass ihre Unterkunft abbrennt.“

Ein Mitarbeiter von Hurras Network berichtet: „Zwei Schwestern im Alter von drei und vier Jahren starben, als ihr Zelt abbrannte, weil ihre Heizung nicht sicher war. Ihre schwangere Mutter erlitt Verbrennungen. Ein 14-jähriger Junge, der mit seiner siebenköpfigen Familie in einem kleinen Zelt lebte, erlag den eisigen Temperaturen.“

Die Partnerorganisation von Save the Children verzeichnete außerdem den Tod von zwei Mädchen im Alter von drei und zehn Jahren, die wegen defekter Heizgeräte erstickten, sowie den Tod eines einjährigen Mädchens und eines sieben Monate alten Jungen, die während der schweren Kälte einen Herzstillstand erlitten. Mehr als 80.000 Menschen leben derzeit auf freien, schneebedeckten Feldern und sind dem eisigen Winter in Nordsyrien schutzlos ausgesetzt.

Seit dem 1. Dezember 2019 wurden rund 900.000 Menschen, mindestens die Hälfte davon Kinder, wegen der Eskalation der Gewalt in Idlib in die Flucht getrieben. In der Region wurde mittlerweile mehr als ein Viertel der Bevölkerung vertrieben. Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge sind Kinder und Frauen, die sich lediglich mit der Kleidung, die sie am Leib trugen, auf den Weg gemacht haben. Um sich warm zu halten, verbrennen die Frauen Plastik und andere brennbare Materialien.

Mira, ein 13-jähriges Mädchen, erzählt: „Ich mochte den Schnee im Lager nicht, weil es sehr kalt war. Meine beiden Schwestern und ich wurden krank. Ein Teil unseres Zeltes brach unter dem Gewicht des Schnees zusammen. Ich besitze keine Kleidung oder etwas anderes, das mich in unserem Zelt warmhält. Ich wünsche mir Schuhe, um im Schnee zu spielen wie meine Freunde.“

Save the Children ruft alle Konfliktparteien auf, die internationalen humanitären Standards und Menschenrechtsgesetze einzuhalten und besonders Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige zivile Infrastrukturen nicht anzugreifen. Besondere Anstrengungen sollten unternommen werden, um Kinder zu schützen, die durch die Auswirkungen von Explosivwaffen in diesem Konflikt gefährdet sind.

Hinweise für die Redaktionen:

Die Bevölkerung von Idlib beträgt drei Millionen Menschen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit dem 1. Dezember 2019 über 900.000 Menschen vertrieben worden. Save the Children schätzt, dass mindestens die Hälfte davon Kinder sind. Mehr als 40% der Schulen und Bildungseinrichtungen in Idlib sind entweder beschädigt, zerstört oder außer Betrieb. Die noch verbleibenden Schulen verzeichnen in einigen Gebieten mehr als 80 Schüler pro Klasse. Bis Ende Januar wurden zusätzlich mehr als 3.700 Lehrer und Lehrerinnen vertrieben.

Save the Children hat Sprecher in der Region. Bei Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an unsere Pressestelle in Berlin.

Über Save the Children

Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in über 120 Ländern im Einsatz. Save the Children ist da für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen – seit 100 Jahren und darüber hinaus. Diese Kinder zu schützen, zu stärken und zu fördern ist das zentrale Anliegen der Organisation. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in den Bereichen Schule und Bildung, Schutz vor Ausbeutung und Gewalt sowie Überleben und Gesundheit. Save the Children setzt sich ein für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet. Eine Welt, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen können.

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