
WM-Fieber in Österreich: Wem können wir als neutraler Beobachter die Daumen drücken?
Bereits in wenigen Monaten startet die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Fans auf der ganzen Welt werden das Großereignis gebannt vor den Bildschirmen verfolgen und sich von der Magie des Fußballs verzaubern lassen. Die Fans haben sich bereits auf ihre Favoriten festgelegt und so werden bis zum Start immer mehr Fußball WM Wetten platziert werden.
Denn die WM ist nicht nur für jene Fans spannend, deren Nationalelf tatsächlich bei der Endrunde mit dabei ist. Auch Millionen Fußballfans, deren Team es nicht durch die Qualifikation geschafft hat, werden die zahlreichen Spiele verfolgen. Doch auf Österreich kann man nicht mehr tippen, denn unsere Männer sind leider bereits ausgeschieden.
Die verpasste Chance in der WM-Qualifikation
Natürlich wäre es für alle österreichischen Fußballfans am besten, das Nationalteam rund um Ralf Rangnick wäre selbst zur Weltmeisterschaft gefahren. Denn betrachtet man den Kader, hätte es hier durchaus Potenzial gegeben. Allen voran stehen natürlich David Alaba und Marko Arnautovic. Für beide wäre es wohl die letzte Chance gewesen, bei einer Weltmeisterschaft ihre volle Leistung abrufen zu können. Und auch andere Stützen wie Marcel Sabitzer oder Gernot Trauner wären aktuell im besten Fußballalter.
Doch nun kam es so, dass die Qualifikation zur Weltmeisterschaft nicht geglückt ist und fünf Siege aus 10 Spielen nur für Rang 4 gereicht haben. Für das österreichische Fußballherz natürlich eine herbe Enttäuschung. Schließlich wartet man bereits seit mehreren Jahrzehnten auf eine Teilnahme bei der Endrunde beim größten Fußballevent. Natürlich werden nichtsdestotrotz Hunderttausende Fußballfans aus ganz Österreich bei der WM mitfiebern und sich von den ganz besonderen Spielen verzaubern lassen.
Daumen drücken für die Nachbarländer
Schnell stellt sich jedoch die Frage, wem am Ende nun die Daumen gedrückt werden sollen, wenn das Heimatland nicht mit von der Partie ist. Dabei fällt der Blick natürlich schnell auf die Nachbarländer, wo der Sport ebenso geliebt wird, wie hierzulande. Sowohl die Schweiz als auch Deutschland treten bei der WM 2022 in Katar an. Durch die Nachbarschaft bietet es sich daher natürlich an, direkt einer der beiden Nationalmannschaften die Daumen zu drücken und auf eine möglichst erfolgreiche Teilnahme dieser Teams zu hoffen.
Auch wenn die Sympathien für die deutsche Nationalmannschaft in Österreich eher gering sind, bessert sich das sportliche Verhältnis nach und nach. Das liegt vor allem auch daran, dass viele österreichische Profis ihre Karriere in der Deutschen Bundesliga fortsetzen und damit auch mehr Sympathie für den Fußball im Nachbarland herrscht. Somit werden einige deutsche Nationalspieler zu Kollegen von Österreichs Fußballstars, weswegen das Daumendrücken natürlich leichtfällt.
Mit Deutschland drückt man auch direkt einem Favoriten die Daumen, der aller Voraussicht nach auch relativ lange im Wettbewerb bleiben wird. Dass im Fußball jedoch alles passieren kann, hat die WM 2018 in Russland gezeigt, bei der Fußballdeutschland ein wahres Trauma erlitten hat. Doch der Wandel, der auf das klägliche Scheitern in der Gruppenphase geschah, hat die deutsche Nationalmannschaft durchaus sympathisch gemacht. Ein bodenständiger neuer Trainer, kämpferische Leistungen und ein Hauch von Demut werden garantiert einige österreichische Fans dazu bringen, mit dem Nachbarn mitzufiebern.
Generell sympathischer ist den meisten Österreichern da schon das Schweizer Nationalteam. Diese treffen in der Gruppenphase auf Brasilien und können somit auf einen echten Kracher hoffen. Mit Serbien und Kamerun als Gruppengegner kann die Schweiz auf durchaus enge Duelle hoffen, wobei ein Weiterkommen in die K.O.-Phase keinesfalls unmöglich ist.
Österreichische Urlaubsdestinationen als Team der Herzen?
Kroatien ist zwar kein direktes Nachbarland von Österreich, viele heimische Herzen hängen jedoch trotzdem an dem Land. Denn mit Kroatien verbinden viele Österreicher entspannte Urlaube und einen Sehnsuchtsort der ganz besonderen Art. Zusätzlich dazu hat sich die kroatische Elf während der WM 2018 in Russland nicht nur ins Finale, sondern als Underdog auch in viele Herzen gespielt.
Ein noch beliebteres Urlaubsziel der Österreicher ist aber Italien. Die Squadra Azzurra ist nach einer blamablen Niederlage im WM-Playoff gegen Nordmazedonien aber nicht mit von der Partie. Zumindest noch nicht. Denn die WM wurde bereits im Vorfeld von einem handfesten sportlichen Skandal überschattet. Für Ecuador soll ein Nationalspieler tätig sein, der eigentlich gar nicht aus dem Land kommt und mit gefälschten Dokumenten seiner Tätigkeit als Profifußballer nachgeht.
Sollten sich die Verdachtsfälle erhärten, könnte die FIFA die erfolgreiche Qualifikation von Ecuador als ungültig erklären. So würde ein neuer Platz in der WM-Endrunde frei werden, der dann entweder an Peru, Chile oder Italien gehen könnte. Laut Regelwerk müsste der Platz dann an jenes Team gehen, das in der FIFA-Weltrangliste am weitesten oben rangiert. Somit könnte Italien im Nachhinein doch noch für die WM in Katar nominiert werden und viele Österreicher hätten einen Grund, um der Squadra Azzurra die Daumen zu drücken.
Ein Underdog oder Favorit als Lieblings-Team der WM
Nachdem Österreich sich ja nicht für die WM in Katar qualifizieren können, bietet sich das Daumendrücken für einen Favoriten an. Brasilien, Spanien und Co. zeigen nicht nur schönen Fußball, sondern laufen auch mit zahlreichen namhaften Spielern auf, die weltweit bekannt sind. Dies ermöglicht natürlich die Identifikation mit der Mannschaft. Zudem werden die Top-Teams auch im Zuge der WM deutlich genauer beleuchtet und als Zuseher erhält man oft tiefere Einblicke in das Teamgefüge.
Zusätzlich dazu kann man mit einem Favoriten in der Regel viel länger mitfiebern als mit einem Underdog. Denn während für die Außenseiter in den meisten Fällen doch recht früh Schluss ist, können viele Top-Teams ihrer Rolle gerecht werden und relativ weit in den K.O.-Spielen voranschreiten.
Doch natürlich hat es auch seinen Reiz, mit einem Underdog mitzufiebern. Denn egal ob Dänemark, Mexiko oder Japan – wenn man kein Fan einer bestimmten Nationalelf ist, haben Überraschungssiege durchaus ein ganz besonderes Flair. Sollte der erkorene Liebling dann sogar noch für eine Sensation sorgen, kann man sich zudem als wahrer Fußballexperte outen, der natürlich schon im Vorhinein die Überraschung kommen sah.
Oder einfach mit dem Titelverteidiger mitfiebern?
Durch den Gewinn der letzten Weltmeisterschaft geht Frankreich natürlich als ganz großer Favorit ins Rennen. Das Team ist nach wie vor gespickt mit Stars und vor allem Kylian Mbappé wird jede Menge Aufmerksamkeit auf das Team lenken. Frankreich läuft mit aufstrebenden Talenten und abgebrühten Routiniers auf, überzeugt durch einen besonderen Spielwitz und attraktiven Tempofußball.
Daher bietet es sich auch für österreichische Fußballfans an, dem aktuellen Weltmeister die Daumen zu drücken und gemeinsam mit einem ganzen Land auf die Titelverteidigung zu hoffen. Diese ist nämlich alles andere als unwahrscheinlich.