
Grüne/Koza: „Weiterbildungszeit der Bundesregierung ist ein völlig unzureichendes Modell“
Wesentliche, durch übereilte Abschaffung von Bildungskarenz und –teilzeit, verursachte Probleme bleiben ungelöst
„Die Verunsicherung, wie es mit Bildungskarenz und Bildungsteilzeit nach dem 1. Jänner 2026 weitergeht, hat vorerst einmal ein Ende. Die Frage, was die Betroffenen des überfallsartigen Aus für Bildungkarenz und –teilzeit machen sollen, die bereits für dieses Jahr Pläne geschmiedet und Kurse gebucht haben, bleibt allerdings nach wie vor unbeantwortet“, kommentiert Markus Koza, Arbeits- und Sozialsprecher der Grünen, die heute nach dem Ministerrat vorgestellten Grundzüge der Weiterbildungszeit – der Nachfolgeregelung von Bildungskarenz und –teilzeit.
Dass mit dem vorgestellten Modell die Weiterbildungszeit auf ein Viertel der Kosten reduziert werden kann, wie die Minister:innen Schumann und Hattmansdorfer meinten, sieht Koza kritisch: „Die Kosten können nur dann so stark reduziert werden, wenn es besonders strenge Zugangsbeschränkungen für Arbeitnehmer:innen zu Ausbildung und Qualifikation gibt. Das werden wir uns sehr genau ansehen müssen, welche Restriktionen hier drohen.“
Die vorgesehene Bildungsberatung im Rahmen der Weiterbildungszeit – selbst eine langjährige Forderung der Grünen – wird von Koza begrüßt. Nicht angekündigt wurden aber etwa Zertifizierungen und strenge Qualitätsstandards bei den Bildungsanbieter:innen, die tatsächlich ein Gamechanger in der Weiterbildung wären. Fraglich ist auch, ob künftig noch berufliche Umorientierung und andere Formen selbstbestimmter bzw. selbstgewählter Qualifizierung möglich sind. „Das sind allerdings wesentliche Kennzeichen von Bildungskarenz und –teilzeit“, meint Koza und weiter: „Wenn Weiterbildungsmöglichkeiten nur noch an den Beschäftigerbetrieb und dessen Bedürfnisse gebunden sind, geht der Charakter von Bildungskarenz und –teilzeit völlig verloren. So werden lebensbegleitendes Lernen und berufliche Neuorientierungen massiv erschwert. Das ist in Zeiten ökonomischer Umbrüche und Transformation absurd.“ Immerhin lag der Anteil derjenigen, die sich nach der Bildungskarenz beruflich umorientierten, die Branche wechselten oder sich selbständig machten bei fast 50 Prozent.
Durch die Finger schauen jene Menschen, die nach vorübergehender Abwesenheit vom Arbeitsmarkt – etwa nach dem Präsenzdienst, dem Zivildienst oder der Babypause – ein Qualifikationsupdate brauchen. „Junge Mütter die sich weiterbilden oder umorientieren wollen, werden vollkommen im Regen stehen gelassen. Für sie gibt es keinerlei Angebot. Sie werde mit ihren Betreuungsproblemen völlig allein gelassen. Sie haben nicht nur keinen Betreuungsplatz, jetzt wird ihnen auch noch die Möglichkeit der Kinderbetreuung plus Weiterbildung für einen erfolgreichen Wiedereinstieg genommen. Das ist aus einer frauen- wie arbeitsmarktpolitischen Sicht völlig inakzeptabel,“ kritisiert der Sozialsprecher der Grünen.
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