Studie: Israelbezogener Antisemitismus steigt an

Zahlreiche antisemitische Einstellungen laut Antisemitismusstudie 2024 kontinuierlich

Nach wie vor sind antisemitische Einstellungen in der österreichischen Bevölkerung vertreten. Bei rassistisch und religiös geprägtem Antisemitismus etwa gab es zwischen 2022 und 2024 wenig Veränderungen. Zugenommen hat in den vergangenen zwei Jahren aber der israelbezogene Antisemitismus.

Das geht aus der Antisemitismusstudie 2024 hervor, die das Institut für empirische Sozialforschung IFES im Auftrag des Parlaments erstellt hat. Seit 2018 werden alle zwei Jahre in einer österreichrepräsentativen Erhebung antisemitische Einstellungen erhoben. Das ermöglicht ein langfristiges Monitoring verschiedener Formen von Antisemitismus.

Antisemitismus sei in Österreich nach wie vor eine anhaltende Gefahr für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die demokratischen Grundwerte, so Nationalratspräsident Walter Rosenkranz. Für das Parlament seien die Ergebnisse der Studie ein Auftrag, die zahlreichen Angebote der Demokratiebildung fortzuführen, so Rosenkranz.

KONTINUITÄT BEI EINSTELLUNGEN UND EINFLUSSFAKTOREN

13 % der Befragten vertraten 2024 weiterhin manifeste antisemitische Einstellungen. Im Jahr 2022 lag der Wert bei 15 %. Ebenfalls auf gleichem Niveau blieb der latente Antisemitismus mit 33 % (2022: 32 %). Stabil blieben auch jene Faktoren, die bereits 2022 als Einflussfaktoren für antisemitische Einstellungen identifiziert wurden: Personen, die an Verschwörungsmythen glauben, wenig über das Judentum wissen und antiamerikanisch eingestellt sind, stimmen auch eher antisemitischen Aussagen zu. Auch das Alter und die formale Bildung spielen eine Rolle. Jüngere Menschen fallen durch stärker ausgeprägte antisemitische Einstellungen auf. Eine höhere formale Bildung schützt eher vor Antisemitismus.

Neu bzw. wieder erhoben und bestätigt wurden auch eine patriarchale Haltung und der Wunsch nach einem politisch „starken Mann“ als Einflussfaktoren für Antisemitismus. Einen Zusammenhang gibt es auch mit der Einstellung zum Nahostkonflikt. Personen, die den Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 nicht als Terrorakt einstufen, stimmen antisemitischen Aussagen stärker zu.

ZUNAHME VON ISRAELBEZOGENEM ANTISEMITISMUS

Eine höhere Zustimmung verzeichnete die Studie auch bei einzelnen israelbezogenen antisemitischen Aussagen. Im Vergleich zu 2022 äußerten mehr Menschen eine Meinung, wobei die antisemitischen Rückmeldungen signifikant gestiegen sind. Der Aussage „Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.“ stimmten 31 % der Befragten voll und ganz oder eher zu. Das ist ein Plus von 8 Prozentpunkten im Vergleich zu 2022. Auch die Aussage „Die Israelis behandeln die Palästinenser im Grunde auch nicht anders als die Deutschen im Zweiten Weltkrieg die Juden“ erhielt mit 35 % mehr Zustimmung (2022: 30 %).

Vielen Menschen fällt es auch schwer, Antisemitismus zu erkennen. Vier von zehn Personen etwa stuften die Aussage „In den Berichten über Konzentrationslager und Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg wird vieles übertrieben dargestellt“ nicht als antisemitisch ein. Israelbezogener Antisemitismus wurde noch seltener erkannt.

Vor allem junge Menschen und Personen mit Hochschulabschluss zeigten sich 2024 stärker israelbezogen antisemitisch. Auch bei einigen anderen antisemitischen Aussagen stimmten junge Menschen häufiger zu als ältere. So waren etwa 15 % der Unter-25-Jährigen der Meinung, dass in Berichten über Konzentrationslager vieles übertrieben dargestellt werde. Über alle Altersgruppen hinweg lag dieser Wert nur bei 8 %. 28 % stellten das Existenzrecht Israels in Frage (Gesamtbevölkerung: 14 %). Junge Männer waren häufiger antisemitisch eingestellt als junge Frauen. In dieser Altersgruppe fiel zudem auf, dass die Personen weniger über das Judentum und jüdisches Leben wussten. So kannten etwa zwei von drei Befragten die Zahl der Holocaust-Opfer nicht.

ANTISEMITISMUS BEI PERSONEN MIT TÜRKISCHER ODER ARABISCHER MIGRATIONSGESCHICHTE

Im Rahmen einer Zusatzstichprobe wurden auch 2024 wieder Personen befragt, die Wurzeln in der Türkei oder einem arabischsprachigem Land haben. Für diese Gruppen wurden die gleichen Einflussfaktoren wie für die Gesamtbevölkerung festgestellt, allerdings waren sie stärker ausgeprägt. Eine höhere Neigung zu Verschwörungsmythen, weniger Wissen, stärkerer Antiamerikanismus, patriarchale Werte und der Wunsch nach einem „starken Mann“ führen zu deutlich stärker ausgeprägtem Antisemitismus. Manifeste antisemitische Einstellungen wurden in der Zusatzstichprobe von 27 % der Befragten geäußert, latente von 48 %.

Ein Zusammenhang mit der Aufenthaltsdauer in Österreich ist laut Studie nicht eindeutig. Ebenfalls nicht durchgängig, aber immer wieder, fanden sich Zusammenhänge mit der Religiosität der Personen. Wer sich als religiös bezeichnete, neigte eher zu antisemitischen Einstellungen als nicht-religiöse Personen.

METHODIK DER STUDIE

Für die österreichrepräsentative Erhebung wurden im Oktober und November 2024 insgesamt 2.037 Personen ab 16 Jahren in ganz Österreich mittels Telefon- und Online-Interviews befragt. Um die Ergebnisse für junge Menschen detaillierter auswerten zu können, wurden verhältnismäßig mehr Personen (insgesamt 387) zwischen 16 und 25 Jahren befragt. Eine Zusatzstichprobe von insgesamt 1.080 Personen umfasste 577 Personen mit Migrationsgeschichte aus der Türkei und 503 Personen mit Migrationsgeschichte aus einem arabischsprachigen Land. Die gleichbleibende Methodik der Erhebung erlaubt einen Zeitvergleich mit der vorigen Studie aus dem Jahr 2022. Die Antisemitismusstudie 2024 ist im Webportal des Parlaments abrufbar. (Schluss) kar

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