Vienna City Marathon: vida fordert Tempo beim Sicherheitsdienstleistungsgesetz

Sicherheit bei Großveranstaltungen braucht klare Standards für private Sicherheitsdienste. Innenminister Karner hinkt Anforderungen hinterher.

Mit dem Vienna City Marathon startet die heurige Saison der Riesenevents. Rund 45.000 Teilnehmer:innen und 400.000 Zuschauer:innen werden am kommenden Wochenende in Wien erwartet. Großveranstaltungen wie diese sind nicht nur sportlich, sondern auch sicherheitstechnisch eine Herausforderung. Verbesserungsvorschläge für die private Sicherheitsbranche gäbe es viele. Die Gewerkschaft vida fordert seit Jahren eine einheitliche Zuverlässigkeitsüberprüfung, klare Ausbildungsstandards sowie verbindliche Vorgaben für die Auftragsvergabe. Das und mehr soll laut Regierungsprogramm in Form eines Sicherheitsdienstleistergesetzes nun endlich ins Laufen kommen. Doch Innenminister Karner dürfte den Startschuss verpasst haben.

ZUVERLÄSSIGKEITSÜBERPRÜFUNG MUSS TRANSPARENT UND EINHEITLICH SEIN

Wenn Sicherheitsfirmen neue Mitarbeiter:innen aufnehmen, müssen diese eine sogenannte Zuverlässigkeitsüberprüfung durchlaufen. Diese dauert je nach Bundesland unterschiedlich lange – bis ein Ergebnis vorliegt, können Monate vergehen. Wer abgelehnt wird, erfährt meist nicht einmal den Grund dafür. In manchen Fällen führten sogar Verkehrsstrafen zum Entzug der Zuverlässigkeit. „Hier hat sich ein Wildwuchs an regional unterschiedlichen Regularien etabliert, der für die Beschäftigten höchst undurchsichtig ist“, kritisiert Gernot Kopp, Vorsitzender des Fachbereichs Gebäudemanagement der Gewerkschaft vida.

Dass Kolleg:innen bereits eingesetzt werden, bevor überhaupt eine Zuverlässigkeitsüberprüfung stattgefunden hat, ist zwar rechtlich unzulässig, aber dennoch gängige Praxis. „Auf Großveranstaltungen arbeiten Menschen, bei denen nicht kontrolliert wurde, ob sie womöglich eine Gefährdung darstellen“, erklärt Kopp. „Wie will man so für Sicherheit garantieren?“ Auch aus Sicht der Beschäftigten ist diese Vorgehensweise untragbar: Während sie noch auf ihr Überprüfungsergebnis warten, bleiben sie in Ungewissheit, ob sie ihren Job behalten können – oder ihn bei negativem Bescheid sofort verlieren. Rechtlich gibt es für sie dann keine Möglichkeit, gegen den Verlust ihres Arbeitsplatzes vorzugehen.

BEWACHUNG BRAUCHT AUSBILDUNG

Da Securityfirmen häufig im Schnellverfahren rekrutieren, erhalten viele Beschäftigte lediglich eine oberflächliche Einschulung, bevor sie im Einsatz sind. Klare gesetzliche Regelungen für ihre Ausbildung fehlen. „Wir reden hier von Menschen, die Verantwortung übernehmen, andere schützen und im Ernstfall professionell reagieren müssen. Das lernt man nicht an einem Tag“, betont Kopp. Es brauche daher eine einheitliche Berufsausbildung, eine verbindliche Ausbildungspflicht und festgelegte Qualitätsstandards für alle, die in der Bewachung tätig sind. „Die verpflichtenden Ausbildungen sollen eine Persönlichkeitsüberprüfung beinhalten. Und Inhalte wie Erste Hilfe, Brandschutz, Deeskalation müssen regelmäßig aufgefrischt werden“, ergänzt der Gewerkschafter.

VORGABEN FÜR DIE AUFTRAGSVERGABE DRINGEND NÖTIG

Eine weitere Schwachstelle im System des privaten Sicherheitsgewerbes ist die häufig intransparente Auftragsvergabe. Oft geben Firmen erhaltene Aufträge an Subunternehmen weiter – teils ohne klare Nachvollziehbarkeit, wer am Ende tatsächlich welchen Dienst erbringt. Die fehlende Verantwortlichkeit erschwert es, gegen schlechte Arbeitsbedingungen, Lohndumping oder Sicherheitslücken vorzugehen.

Viele Unternehmen halten die Personalzahlen auf einem Minimum, weil sie Kosten sparen und Gewinne maximieren wollen. Um kurzfristige Spitzen und Ausfälle abzufangen, braucht es jedoch einen finanzierten Mitarbeiter:innenpool, auf den im Bedarfsfall zurückgegriffen werden kann. So ließe sich verhindern, dass übermüdetes oder ungeschultes Personal eingesetzt wird.

SICHERHEITSDIENSTLEISTUNGSGESETZ SOFORT

„Fehlende Standards bei Ausbildung und Qualität, Intransparenz und zu wenig personelle Absicherung – das ist ein gefährlicher Mix. Und die Ursachen dafür sind systemisch“, fasst Gernot Kopp zusammen. Die Gewerkschaft vida musste durch ihr jahrelanges Engagement erfahren: Die Umsetzung eines einheitlichen Sicherheitsdienstleistergesetzes ist ein Marathon. Doch um die Sicherheit bei Großveranstaltungen wie dem Vienna City Marathon zu gewährleisten, wäre bei Innenminister Karner ein Sprint dringend nötig. „Im Sinne der Beschäftigten und der Bevölkerung können wir nur hoffen, dass er bald den Zieleinlauf schafft“, so vida-Gewerkschafter Kopp.

Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Cornelia Groiss
Telefon: +43 1 53444 79267
E-Mail: cornelia.groiss@vida.at

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